Hope Kalender 2025
August
Triggerwarnung
Triggerwarnung: In dieser Geschichte geht es um sexuelle Übergriffe!
Die Inhalte können belastend sein und starke Emotionen auslösen. Bitte lies nur weiter, wenn du dich dazu in der Lage fühlst oder sorge für Unterstützung, wenn du Hilfe benötigst.
eintauchen
Gerade eben saß ich noch auf der Terrasse und habe mit meiner Tochter ein Eis gegessen. Fröhlich berichtete sie mir von ihren Erlebnissen im Kindergarten. Wir genossen die Sonne und die gemeinsame Zeit. Nachdem mein Mann nach Hause kam und die Kids übernommen hat, machte ich mich mit meiner Kollegin auf zu unserem Einsatz im Milieu. Heute wollen wir die Frauen mit Blumen und Kuchen beschenken.
Wir klingeln an der ersten Tür und ich sehe uns in eine andere Welt eintauchen. Das Licht, die Atmosphäre und der Geruch, erinnern uns daran, dass wir in einer Parallelwelt angekommen sind, die so unwirklich erscheint und doch existiert.
Wir werden herzlich von einer uns bekannten Frau begrüßt. Sie erzählt uns von den Erlebnissen ihrer letzten Tage. Bin ich bereit mich auf dieses Gespräch einzulassen und in den Schmerz einzutauchen, den ich in ihren Augen wahrnehme? Ich höre ihr zu, nehme sie ernst und lasse mich von ihren Worten berühren. Während ich gerade noch mit meiner Tochter ein Eis gegessen habe, erzählt sie mir, dass sie ihre Tochter seit einem halben Jahr nicht gesehen hat und auch jetzt nicht genug Geld da ist, um sie zu besuchen. Die Kleine ist erst drei Jahre alt, lebt mit ihren Onkeln und Tanten, Cousinen und Cousins bei Ihrer Oma in Osteuropa. Sie weiß, dass sie nicht allein ist, trotzdem vermisst sie ihre Tochter und es schmerzt jedes Mal, wenn die Kleine am Telefon nach ihr weint. Unvorstellbar für eine Mama wie mich, die ihre Kinder jeden Tag um sich hat und sie Aufwachsen sehen darf. Doch ich weiß um den Hintergrund, der sie in diese Lage gebracht hat. Sie verkauft ihren Körper, damit ihre Familie zu essen hat, ihre kranke Mutter ihre Medikamente bekommt und die Kinder der Familie zur Schule gehen können.
An der Tür nebenan treffen wir eine Frau, die wir zuvor noch nie gesehen haben. Sie wirkt sehr jung, verunsichert und abweisend. Als wir ihr die Brownies anbieten, nimmt sie sich zögerlich ein Stück. Wir erklären ihr, warum wir da sind, und sprechen ihr zu wie wertvoll sie ist. Sie ist sehr berührt von dem, was wir sagen und fängt an, von ihrem Freund zu erzählen, den sie mit 16 Jahren kennengelernt hat. Er gab ihr das Gefühl gesehen und geliebt zu werden. Da es zuhause oft Streit gab, ist sie schnell zu ihm gezogen. Denn bei ihm fühlte sie sich ernst genommen und verstanden. Daher ließ sie sich aus Liebe zu Ihm drauf ein, gegen Bezahlung mit Männern zu schlafen, um ihm aus seinen vermeidlichen Geldproblemen zu helfen. Wir wissen, dass es eine gängige Masche der ‚Loverboys‘ ist, die Frauen so auszunutzen. Kaum vorstellbar für uns und wir haben den Eindruck ihr geht es mit der Situation nicht gut.
Als ich an diesem Abend nach Hause komme und die Geschichten Revue passieren lasse wird mir nochmal so sehr bewusst in was für verschiedenen Welten wir leben. So oft werde ich überwältigt von der Hoffnungslosigkeit der Frauen, nichts an ihrer Situation ändern zu können. Doch ich weiß es gibt Hoffnung. Ohne Jesus könnte ich diese Arbeit nicht tun. Er kennt jede dieser einzelnen Frauen und möchte sie befreien. In Gottes Liebe können die Frauen ihre unbezahlbare Würde wieder entdecken und Mut finden neue Wege zu gehen. Das gibt mir Hoffnung, nicht aufzugeben, denn mein Vater im Himmel hat das große Ganze im Blick und ist Nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind.
Gibt es einen Bereich in deinem Leben der Hoffnungslos aussieht? Wenn wir in Gottes Liebe eintauchen, heilt und verändert er unsere Herzen, gibt uns wieder Hoffnung und macht uns zu neuen Menschen. Ich wünsche dir, dass du das erleben darfst.
